Artikel-Schlagworte: „Varanasi“
Kurze Anekdote, eigentlich keinen eigenen Artikel wert. Aber ich bin eben mal mein Indien Notizbuch überflogen und an einer Stelle hängen geblieben.
Eigentlich eine sehr schöne Stelle, aber irgendwie ist die Geschichte im Chaos der Reise untergegangen.
„..Spricht einen in Varanasi ein Inder auf offener Straße und in Englisch an, ist er ein Betrüger….“ So in etwa sagt es der Reiseführer und er hat wahrscheinlich auch zu 90% Recht. Was man allerdings erlebt, wenn man sich auf die 10% einlässt, davon will ich berichten.
Es war in besagtem Varanasi, oder Benares, oder Kashi. Wie auch immer man die älteste Stadt der Welt auch nennen möchte. Der Abend des vierten Februar war lau und die Gangesufer – die Ghatts – waren voller Menschen. Wir mischten uns unters Volk, ließen uns durch die engen Gassen der Altstadt treiben.
Irgendwann sprach uns eine Gruppe Jugendlicher an. „Excuse me“ „Hellloooo“, wie man halt auf einer indischen Straße angelabert wird um ein Boot zu mieten, Drogen zu kaufen oder eine Prostituierte zu buchen. Routiniert wie auch zungenfertig ließen wir ein „no thank you“ zurückschnellen. Wie ein Florett durchschnitten die Worte die Luft und trafen die Gruppe mit voller Wucht. Etwas verwundert schauten sie sich an, versuchten es dann aber doch noch einmal. Auch bei uns war positives Misstrauen geweckt: Eigentlich wird man nicht von Gruppen angesprochen, sondern immer von einzelnen Schleppern. Noch dazu waren diese Jungs offensichtlich angetrunken und, vielleicht am wichtigsten: Nach der Anrede kam einfach kein Versuch uns irgendwas zu verkaufen. Wie sollte man also mit dieser Situation umgehen?
Stillschweigend fassten wir den Entschluss, auf die Jungs einzugehen. Ein richtiger Entschluss wie sich herausstellte.
Dilraj und seine Kumpels, waren mit ihrer Basketballmannschaft eigens aus dem Punjab angereist um an einem Turnier in Varanasi teilzunehmen. Wie sich herausstellte nicht besonders Erfolgreich, aber einen Vorwand zum Alkoholtrinken bot das Spektakel allemal. Losgelöst von den Familien zu Hause und den Zwängen ihres sozialen Umfeldes ließen sie sich einfach mal gepflegt vollaufen.
In diesem Stadium der Erleuchtung, wie man in Indien sagt, hatten sie dann irgendwann auch den Mut, zwei fremde, ausgesprochen gut aussehende Touristen anzusprechen und um ein Foto zu bitten. Wohl bemerkt wollten sie weder ein Foto von uns machen, denn sie hatten keine Kamera. Sie wollten aber auch nicht, dass wir sie fotografieren. Sie wollten ein Foto MIT UNS. Ich kann nur mutmaßen, aber vermutlich sollten damit die daheimgebliebenen Freunde beeindruckt werden. Eventuell sollte auch ein Artikel unter der Überschrift: „Punjab Globetrotters party with european Celebreties“ in der Collegezeitung erscheinen.
Gut gelaunt spielten wir mit, ließen uns umarmen und posierten für unsere Kameras. Es kamen einige durchaus respektable Aufnahmen dabei heraus und wir versprachen, diese per eMail ins ferne Punjab zu schicken.
Nach dem Shooting wurden wir eingeladen mit unseren neuen Freunden die Altstadt unsicher zu machen.
Wir zogen uns zur geheimen Besprechung zurück: Es waren fünft fremde Inder. Es war schon spät, womöglich waren sie bewaffnet. Wir kannten sie keine viertel Stunde, Sie waren angetrunken und wollten uns überreden mit ihnen in die engen, dunklen Altstadtgassen zu kommen.
Kurz darauf sausten wir durch das Labyrinth enger Sträßchen, durch die Dunkelheit, immer unseren neuen Freunden hinterher. Ein Spaß ohne Grenzen!
Irgendwann gelangten wir an eine Bude. Der Besitzer rührte einen gelblichen Schaum und verkaufte ihn zu kleinen Portionen in Tonschüsselchen. Die eigens für Indien im Unterbewusstsein installierte Hygienewarnlampe fing an hektisch zu blinken, aber wir waren so euphorisch, dass uns nichts aufhalten konnte. So kossteten wir gleich zwei Portionen. Teilten sie mit unseren neuen Freunden, benutzten alle den gleichen Löffel und vor allem hatten wir einen Riesenspaß dabei!
Eigentlich wollten wir noch gemeinsam essen gehen, aber in der Altstadt Varanasis gibt es nur vegetarische Kost und unsere Begleiter waren waschechte Sikhs. Alle männlichen Sikhs tragen den Nachnamen Singh. Übersetzt bedeutet das Löwe und wie echte Löwen wären sie heute nicht mit einer Portion Paneerkäse zufrieden zu stellen gewesen.
Um allerdings mit dem Taxi ans andere Stadtende zu fahren fehlte uns die Energie und so trennten sich unsere Wege. Die Löwen gingen weiter auf die Jagd und die europäischen Lämmer begnügten sich mit einem köstlichen vegetarischen Gericht bei Keshari’s unserem Restaurant-Geheimtip in Varanasi.
Der Händler (Homo mercatur fallaciloquus)
Gibt es an einem Ort Touristen, dann gibt es auch ihn. Den Straßenhändler.
Mal verkauft er Schuhe, mal reinigt er sie. Mal macht er sie auch schmutzig und bietet dann die passende Reinigung.
Ein andermal vermietet er Boote, bietet Massagen an oder fragt ganz geheimnisvoll: „Hey, you want S-O-M-E-T-H-I-N-G?“
So oder so, ist es nicht der eine, der einem den Tag vermiest, sondern die Masse. Wir haben unzählige Methoden ausprobiert um sie uns vom Hals zu halten. Unter anderem probierten wir:
- „No thank you“ sagen: Funktioniert nur, wenn man es danach mit 2. kombiniert.
- einfach komplett ignorieren: Funktioniert, aber es kann dauern bis er aufgibt.
- auf hindi drohen / fluchen: Man erntet eigentlich nur Gelächter. Keine Wirkung
- auf Englisch drohen / fluchen: Sie versuchen das Ganze auszudiskutieren.
- in einer Fantasiesprache drohen / fluchen: Klappt sehr gut.
- Interesse heucheln und für einen späteren Zeitpunkt verabreden: Klappt auch, man muss aber eben eine kurze Unterhaltung mit ekligen Typen in Kauf nehmen. Nicht selten wollen sie die Verabredung noch mit Handschlag besiegeln…
Man kann also sagen, dass die Fantasiesprache, sowie 1. und 2. kombiniert, den besten Erfolg liefern. Ein 100%iger Schutz existiert allerdings nicht. Mir wurde auch im 4. Stock, auf meinem Zimmerbalkon, noch ein Boot angeboten.
Handeln bringt übrigens auch nichts. Man wird nie den Preis erreichen, den Inder zahlen müssten. Ganz egal, was manche „Hardcoretraveler“ von sich erzählen.
Wir sitzen im Flughafenrestaurant von Varanasi. Flughafen ist aber etwas zu viel Ehre für diese Scheune.
Zwar gibt es einen LCD Bildschirm auf dem die Arrivals und Departures angezeigt werden sollen, aber irgendwie will der PC nicht. Angezeigt wird aber nur wie Windows 2000 hochfährt und dann immer wieder abstürzt. Im Hintergrund läuft unaufdringliche Fahrstuhlmusik, regelmässig unterbrochen von diesem charakteristischen Windowssound, der immer dann ertönt, wenn eine Fehlermeldung auf dem Display landet: döng.
Das Restaurant kann allerdings auch nicht durch seine Qualität bestechen. Lediglich die horrenden Preise sind vielleicht erwähnenswert.
Zum Beispiel werden für ein Kingfisher (Bier) 240 Rupies fällig. Das sind immerhin knapp 4€. Zum Vergleich: Wir waren in Varanasis Gassen in einem sehr schönen indischen Restaurant und haben für 310 Rupies ein Wirklich tolles Essen mit Getränken und Vorspeise bekommen. Aber ich bin mir sicher, dass hier viele Touristen ihren Bierdurst trotz der Preise stillen. Schließlich heißt es auf dem Schild über dem Eingang: „Varanasi Airport Restaurant – Beer Bar“
Hoffe mit dem Flug geht alles glatt und ihr lest bald die ersten Berichte aus Simla im Himalaja
Varanasi ist wirklich atemberaubend.
Schaut man sich die Fotos an, die man bei Flickr, google und anderen Fotosuchmaschinen dazu findet kann man nicht ansatzweise die Atmosphäre hier vor Ort erfassen. Wenn das Licht schwindet und die Feuer der Leichenverbrennungen die Nacht erhellen, aus den blechern klingenden Megafonlautsprechern hinduistische Musik über den Ganges hallt, dann spürt man, wie sehr die Inder von ihrer Mystik durchzogen sind. Wie tief der Glaube an die alten Götter sitzt. Unser Bootskapitän auf dem Yamunariver hielt stehts einen Platz auf seinem kleinen Ruderboot für Durga, seine Göttin frei.
Doch auch tagsüber wird man von Varanasi verzaubert. Zuallererst muß man allerdings eine gehörige Portion Optimismus und Ignoranz mitbringen. Sonst geht man hier unter! Noch nirgendwo auf der Welt wurde ich so penetrant und aufdringlich von Bettlern / Händlern / heiligen Männern und allerlei Gesindel belagert. Hinzu kommt, dass es kaum einen Quadratmeter gibt, der nicht von irgend welchen Exkrementen bedeckt ist. Nicht alle stammen von Tieren. Vielmehr wurden die meisten tierischen schon wieder aufgesammelt und verarbeitet (siehe unten). Der Inder als solches scheint ein Auge dafür zu haben, was als Brennstoff taugt und was nicht
Zwischen all dem Müll und Dreck gibt es aber auch immer wieder kleine, schöne Momente. Sie sind rar, aber wenn man sich an ihnen entlang hangelt kommt man aus dem Staunen kaum mehr raus. Ich zitiere hierzu Alexander von Humboldts und seinen tapferen wie aufrechten Reisegefährten Aimé Bonpland:
“Wie die Narren laufen wir bis jetzt umher; in den ersten drei Tagen können wir nichts bestimmen, da man immer wieder einen Gegenstand wegwirft, um einen anderen zu ergreifen. Bonpland versichert, dass er von Sinnen kommen werde, wenn die Wunder nicht bald aufhören … Ich fühle es, dass ich hier glücklich sein werde und dass diese Eindrücke mich auch künftig noch oft erheitern werden.”
So in etwa könnte man es ausdrücken. Sei es der freundlicher Blick einer Fremden, das gemeinsame Lachen mit einem Wäscheklopfer oder witzige Mißverständnisse beim Einkaufen. Hier werden wir uns noch ein paar Tage wohlfühlen.
Ich habe, rein provisorisch, ein paar Bilder auf dem Netbook verkleinert. Sie sind unbearbeitet und sollein einfach mal einen kleinen Einblick vermitteln, mit was wir es hier zu tun haben.
Wenn wir etwas mehr Zeit zur Verfuegung haben, werde ich mehr Bilder nachtragen und natuerlich auch noch unsere Reiseerlebnisse berichten.
Fuer heute soll es aber genuegen, denn wir sind beide hundemuede.



Allerdings ist sowohl die Zeit, als auch das Internet ein Mangelgut in Indien…
Wir haben bereits Agra hinter uns gelassen und sitzen jetzt nebeneinander an zwei PCs eines abgefuckten Internetcafes. Accents hat die Tastatur uebrigens auch nicht. und auch kein ue…. Aber es reicht
Bisher hat alles ganz gut geklappt. Haben unser erstes indisches Essen bereits in Dubai zu uns genommen und sind dann in Delhi direkt mit dem Taxi aus der Stadt verschwunden und in Richtung Agra gebraust.
Dort hat uns dann unser Gastvater Manohar Naidu mit dem Handy zu seinem Haus in Taj Ganj gelotst. Unser Zimmer war puristisch und nicht sonderlich sauber (to be polite). Nach einigen Grundreinigungsmassnahmen konnte man aber zumindest die toilette benutzen. Den Rest haben die Schlafsaecke abgehalten…
Obligatorisch, natuerlich der Besuch im Taj Mahal…. Aber wir haben ihn ausfallen lassen
Naeheres dazu gibts aber in kuerze, wenn ich mehr zeit habe. Das wird wahrscheinlich heutabend, spaetestens aber morgen sein. Dann gibts auch die ersten Bilder.
Vielen Dank fuer das Rege interesse an unseren unbedeuteten Schicksalen!
PS: Das iphone funktioniert hier nicht. Meine Arbeitskollegen wirds freuen
Wer trotzdem Lust hat, mich mal in Indien anzurufen kann dies gerne tun. Meine Indische Handynummer gibt’s bei studivz oder wkw gegen. Einfach fragen









