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Morgens im Radisson

00:40 ist wirklich keine schöne Zeit um einen Zug zu besteigen. Vor allem nicht, wenn es ein bequemer Schlafwagen ist, denn man aber schon um fünf wieder verlassen muss!

Es hieß also einsteigen, hinlegen und soviel Schlaf wie möglich bekommen. Teil eins ging glatt, doch als wir vor unseren Kojen standen, saß eine indische Familie auf meinem Bett und eine Etage höher, auf Flos Pritsche, befand sich ihr Gepäck.

Irgendwas war bei ihrer Onlinebuchung schief gelaufen und hatten sie sich heimatlos auf die letzten zwei freien Betten zurückgezogen, die im Zug zu finden waren. Wie groß muss ihre Enttäuschung gewesen sein, als wir vor ihnen auftauchten.

Sofort waren sie bereit, uns unsere Plätze zu überlassen, aber sie taten uns auch Leid. Ein recht dicker, freundlich schauender Inder mit seiner müden Frau, den schlafenden kleinen Sohn auf dem Arm.

Unterwegs in literarischer Mission

Wir konnten sie nicht einfach wegschicken. So blieben die Frau mit dem Kind und das Gepäck. Der Mann begab sich mit dem Schaffner auf die Suche nach einer Alternative. Gute 30 Minuten später war ein Platz gefunden und wir konnten uns endlich hinlegen. Es kann keine fünf Minuten gedauert haben und ich schlief tief und fest.

Erst „What is Love – da da di da da“ aus dem iPhonelautsprecher beendeten die Traumreise. Es war 04:45 und wir sollten gleich Nizzamudin erreichen, einen kleineren Bahnhof am Rande von Neu-Delhi. Doch unser Zug hatte Verspätung. Nicht genug um sich noch mal hinzulegen, so verbrachten wir den Rest der Fahrt im Sitzen und im Halbschlaf.

Das ätzende am Zugfahren in Indien ist, dass es keine Durchsagen über den nächsten Halt gibt. Es gibt aber auch keine lesbaren Schilder in den Bahnhöfen in die man einfährt. Zumindest nicht immer. So ist es mehr oder weniger ein Glücksspiel. Meist kommt man aber im Laufe der Fahrt mit anderen, indischen Passagieren ins Gespräch.

Die wollen immer wissen wo man hinfährt und irgendein urindischer Instinkt ermöglicht es ihnen, uns zu sagen wann das Ziel erreicht ist.

Also raus aus dem Zug, rein ins Getümmel. „Täxi Täxi“ aus hunderten Kehlen. Alle wollten uns. Indische Fahrgäste wurden bis auf weiteres ignoriert. Die Europäer zahlen besser. Meist unfreiwillig.

Wir bahnten uns einen Weg durch die Menge und taten so, als wüssten wir genau, wo wir hinwollten und als wäre unser Ziel mit einem kurzen Fußmarsch zu erreichen. Eigentlich unmöglich in einer Zehnmillionenstadt. Trotzdem ging unser Plan und wir waren schon nach wenigen Metern wieder allein. Das dumme an der Geschichte war nur, dass wir ja ein Taxi wollten, aber wir wollten es sein, der bestimmt welches.

Unsere Suite in Darjeeling

Da lief ein etwas verloren aussehender Sikh auf der anderen Straßenseite. Wir blickten ihn freundlich und fragend an. Er blickte freundlich fragend zurück. Schließlich formten seine Lippen das Wort „Täxi“? Und schon waren wir uns einig. Flo saß vorn, ich lag hinten. Es war ein riesiger Mahindra Jeep. Ich habe keine Ahnung, was man damit in Delhi anstellt, aber ich muss auch nicht alles wissen.

Wir ließen uns ins Radisson fahren. Eins der besten Hotels der Stadt. Vorallem ein Hotel mit 24h Milchkaffee. Eine weitere tolle Empfehlung von Nitin, unserem Freund aus Shimla.

Gegen 6:00 machte allerdings auch das Frühstücksbuffet auf und wir waren doch beide so hungrig. Der Tag konnte ja noch so lang werden.

Das Geld saß locker und so spendierten wir uns ein Frühstück, das sich mit jedem anderen auf der Welt messen könnte. Der Spaß kostete für uns beide 1600 Rupies. Ungefähr 4-5 mal lecker Essengehen in Varanasi. Aber wir bereuen nichts!

Ich kann mich nicht erinnern, was wir alles gegessen haben, aber die Zusammenstellung war sicherlich manchmal sehenswert. Frische Früchte, frische Waffeln, ein Omelette mit Koriander, Fisch mit Spinat und Kirschtomaten, Rinderfiletspieße, gegrillter Panierkäse, Misosuppe, Wok-Gemüse und vieles mehr.

Außerdem können wir die Toiletten im Radisson empfehlen. Sehr sauber, sehr bequem.

Und nochml unser Zimmer

Ein Hoteltaxi brachte uns pünktlich zum Einchecken an den Flughafen. Der Flug startete pünktlich, landete noch pünktlicher in Bagdogra, unsere Rucksäcke waren mit die ersten auf dem Gepäckband und wir fanden direkt vor dem Flughafen zwei Jungs, die uns für 1100 Rupies nach Darjeeling fahren wollten. Das klang schon alles ein bisschen zu schön um wahr zu sein. Vor allem weil Nitin uns gesagt hatte, er hätte das letzte mal mit ein bisschen Glück ein Taxi für 1500 Rupies bekommen. Irgendwas musste einfach faul sein. Sollten wir wieder vergiftet werden? Galt es eine Teefabrik oder einen Juwelier zu besichtigen? Wurden wir gar in eine Räuberhöhle verschleppt? Nein! Nach einer langen, holprigen Fahrt erreichten wir Darjeeling und unsere Fahrer freuten sich wie kleine Kinder über die 200 Rupies Trinkgeld.

Das ausgesuchte Hotel war schnell gefunden, die Preise waren günstiger als erwartet, das Zimmer toll und voller Persönlichkeit und Geschichte.

Ich habe noch nie einen Tag, der nur aus Transfers und warten besteht, so toll in Erinnerung behalten.

Shivalik Express von innen

Der Weg nach Shimla war mehr als beschwerlich. Begonnen hat er mit unserer Abreise aus dem Hotel in Varanasi um 9:00 am 05.02.2010. In Shimla angekommen sind wir 27 Stunden später. Dazwischen lag viel Warterei, ein Flug, ein Zug mit 2 ½ Stunden Verspätung und ein zweiter Zug, der freundlicherweise auf uns verspätete Touristen gewartet hat J

Entsprechend kaputt waren wir, als wir die letzte Etappe im Shivalik Express antraten. Einem etwas luxuriöseren Zug der Kalka mit der Hillstation Shimla verbindet. Eine Entfernung von ca. 100km Luftlinie. Die kleine Diesellok bewältigt die Strecke in 5-7 Stunden.

Denn was auf der Karte wie ein Katzensprung aussieht hat es in sich. Aus den 100km Luftlinie werden schnell 330km Serpentinen, immer höher den Himalaja hinauf. Insgesamt gilt es, das Bähnchen auf 2300m Höhe zu zerren. Ich möchte nicht tauschen.

Es hat aber alles geklappt und schließlich standen wir vor dem Bahnhof in Shimla, umringt von extrem aufdringlichen Taxifahrern, bzw. ganz normalen indischen Taxifahrern. Unser Freund Nitin hatte versprochen „A Jeep will await you at the station wenn you arrive“, doch der war erst mal  nicht auszumachen. So bahnten wir uns einen Weg durch die Menschen und umrundeten den Bahnhof um eine bessere Informationslage zu schaffen. Aus den Augenwinkeln sah ich einen Geländewagen ankommen. Der Fahrer sprang aus dem Wagen und Wedelte mit einem DIN-A4 Blatt herum. Aus der Entfernung war der Text allerdings nicht auszumachen und so stiegen wir wieder hinunter zum Bahnsteig. Dort reckte mir der Fahrer erwartungsvoll seinen Zettel entgegen: „Welcome Christian“

Im Morgengrauen

Alles war gut. Wir kamen zum Hotel, konnten duschen, ruhen und einen Happen essen. Letzteres taten wir allerdings nicht in unserem Hotel (So hart sind selbst wir noch nicht).

Wir wählten das Café Sol aus. Es gehört scheinbar zu einem der teureren Hotels in Shimla und bot tatsächlich exquisiten Service und sehr leckere englische Cookies. Insgesamt ist alles hier oben sehr sehr englisch. Man sieht indische „Gentlemen“ und „Ladies“. Die Einkaufsstraße heißt „The Mall“ und ist der berühmten „Pall Mall“ in London nachempfunden. Tatsächlich bietet sich auch kein Vergleich zu den engen Einkaufsgassen in Varanasi oder Agra an. Auch das Publikum hier oben wirkt deutlich betuchter und vornehmer, die Hunde sind gut genährt und ausgeglichen und auch die Verkäufer halten sich dezent im Hintergrund.

Kleine Anekdote: Gestern hat mich ein einziger Verkäufer angesprochen. Er sagte irgend etwas standardmäßiges wie: „Hello Sir, have a look at my stuff“. Völlig routiniert und inszwischen unter Umgehung des Großhirns antwortete ich „No, thank you“ (Ich habe diesen Satz geschätzte 200 000 mal gesagt, seit wir Deutschland verlassen haben).

Blick aus dem Zug

Normalerweise bringt der Satz allerdings wenig. Er stachelt eher an und bringt die Händler dazu forscher anzugreifen. Entgegen aller Gesetzmäßigkeiten antwortete der Händler in Shimla jedoch: „Ok Sir“.

Ich habe es erst nach zwei-drei Schritten registriert und blieb dann wie angewurzelt stehen. Irgendwas stimmte nicht. Flo gelang es aber schnell, mich wieder zu beruhigen und wir setzen unseren Spaziergang fort.

Zu den Händlern und ihrem Angriffsverhalten werde ich in den nächsten Tagen aber auch noch einen eigenen Text incl. Test des besten Abwehrverhaltens präsentieren.

Wir sitzen im Flughafenrestaurant von Varanasi. Flughafen ist aber etwas zu viel Ehre für diese Scheune.

Meer Ghat

Zwar gibt es einen LCD Bildschirm auf dem die Arrivals und Departures angezeigt werden sollen, aber irgendwie will der PC nicht. Angezeigt wird aber nur wie Windows 2000 hochfährt und dann immer wieder abstürzt. Im Hintergrund läuft unaufdringliche Fahrstuhlmusik, regelmässig unterbrochen von diesem charakteristischen Windowssound, der immer dann ertönt, wenn eine Fehlermeldung auf dem Display landet: döng.

Das Restaurant kann allerdings auch nicht durch seine Qualität bestechen. Lediglich die horrenden Preise sind vielleicht erwähnenswert.

Zum Beispiel werden für ein Kingfisher (Bier) 240 Rupies fällig. Das sind immerhin knapp 4€. Zum Vergleich: Wir waren in Varanasis Gassen in einem sehr schönen indischen Restaurant und haben für 310 Rupies ein Wirklich tolles Essen mit Getränken und Vorspeise bekommen. Aber ich bin mir sicher, dass hier viele Touristen ihren Bierdurst trotz der Preise stillen. Schließlich heißt es auf dem Schild über dem Eingang: „Varanasi Airport Restaurant – Beer Bar“

Hoffe mit dem Flug geht alles glatt und ihr lest bald die ersten Berichte aus Simla im Himalaja

Kotsammler

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