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Raphaela und ich im Räucherjeep

Raphi, die mutige Schweizerin hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich eine Schlüsselszene, ja wenn nicht sogar den tragischen Höhepunkt unserer Safari durch die Nordindische Pilzwelt vergessen habe.

Wie gerade mir ein solcher Fauxpas unterlaufen konnte, dafür habe ich keine Erklärung. Es tut mirsehr Leid liebste Raphi.

Angefangen hat es mit einem gummiartigen Geruch. Wir waren gerade mitten im Dschungel und gerade dort passt der Gestank von verschmortem Gummi einfach nicht hin.

Als ich an mir hinunter sah, bemerkte ich dichten Qualm der zwischen meinen Beinen aufstieg.

Eh die Frage gestellt wird: Ich hatte am selben Morgen geduscht :)

Vielmehr waberte der Qualm aus dem Handschuhfach. Ich sagte irgendetwas Fachmännisches wie: „ist hat normal?“

Der Fahrer stoppte den Jeep und fingerte am Handschuhfach herum. Nachdem er den Motor ausgeschaltet hatte hörte auch der Qualm fast sofort auf.

Ein weiterer Blick ins besagte Handschuhfach und unser Fahrer sagte nur „its ok“ und startete den Motor erneut.

Nach wenigen Metern kam der Qualm erneut. Ich wies erneut darauf hin und erneut wurde der

Ja wo brennts denn?

Wagen gestoppt. Doch diesmal stieg ich aus und der Fahrer konnte nun eingehender nach der Ursache suchen.

Er rupfte einige Kabel heraus und meinte dann wider „Now its ok“.

Und tatsächlich. Der Qualm kam nicht wieder.

Allerdings schien auch sonst alles zu funktionieren. Das erhärtet meine Theorie, dass ein Mahindra Jeep im Ernstfall auch ganz ohne Kabel auskommt.

Der Ambassador - Ein Traum in weiss

Der zweite und letzte Tag in Haridwar begann mit dem Fußweg zu Raphis Hotel. Dort durften wir unsere Rucksäcke deponieren bis wir spät nachts um 00:40 mit dem Zug nach Delhi abreisen würden. Tausend Dank nochmals!

Weiter ging es im Ambassador. DEM indischen Auto schlechthin. Glanz und Gloria der britischen Kolonialmacht in einem weißen, verrostenden Blechkleid. Herrlich! Seit unserer Ankunft hatten wir davon geträumt einmal so nostalgisch durch die Pampa zu düsen.

Für 410 Rupies wurde unser Traum wahr und brachte uns direkt zum Rajaji Nationalpark.

Für weitere 3100 Rupies bekamen wir einen Führer, einen Jeep und die Erlaubnis ihn zu betreten. Teurer Spaß, aber im Park leben 200 wilde Elefanten. Noch nie hatten wir so viele auf einem Haufen gesehen und auch an diesem Tag würde es nicht dazu kommen.

Gleich fünf Minuten nach der Einfahrt in den Park sah ich jedoch einen wilden Leoparden. Er tat das, was Katzen jeder Art am besten können: Er gab Fersengeld und war nach einer Sekunde schon im dichten Unterholz verschwunden. Praktischerweise war ich der einzige, der ihn gesehen hat und werde wohl auch weiterhin der einzige sein, der es mir glaubt. Allerdings bin ich mir zu 100% sicher. Wer eine Katze hat, der weiß wie Katzen aussehen, wenn sie stiften gehen. Und genau so sah nun mal das flüchtende Tierchen aus. Nicht wie ein Fuchs, nicht wie ein Bär und auch nicht wie ein Baumpilz. Zu letzterem komme ich später noch einmal zurück.

Sieht's nicht aus wie in Afrika?

Los ging es also. Die Laune war gut, die ersten Sonnenstrahlen sprenkelten unsere neugierigen Gesichter und wir waren einfach so bereit wie man es nur seien kann. Bereit, die Elefantenherde zu sehen. Es blieb leider bei unserer grenzenlosen Bereitschaft. Kein einziger Dickhäuter zeigte sich. Nur die Elefantenhäufchen und diverse verwüstete Bäume und Büsche zeugten ihrer Gegenwart. Stattdessen sahen wir viel Wild. Wahrscheinlich irgendeine besondere indische Art, aber für uns sahen sie eben einfach aus wie die Rehe die abends neben der Straße äsen. Die Aufregung hielt sich also in Grenzen. Unser Führer wurde dennoch nicht müde, auf sie hinzuweisen. Kurz vor Ende unserer Safari hatte er wohl doch das Gefühl, uns irgendetwas bieten zu müssen. Irgendwas exotisches, spannendes, vielleicht sogar beängstigend wirkendes für uns Stadtmenschen. Schon bald hatte er es entdeckt. Er nahm den Fuß vom Gas und rollte im Leerlauf weiter. Wir bemerkten seine Anspannung und trauten uns nichtmal mehr zu atmen. Er stoppte den Motor. Leise rollten die schweren Stollenreifen im Sand aus. Der Wagen stand. Wir blickten uns um, konnten aber nichts entdecken. Vielleicht wieder ein Leopard? Ich sah den Triumph, zum greifen nah!

Dann sagte der Fahrer mit bedeutungsschwerer Stimme: „there! Treefungus!“ und er deutete auf einen alten Holzstamm auf dem einige Baumpilze wuchsen.

Wir konnten unser Glück kaum fassen. Wie viele Touristen haben tausende Euro, Dollar und Yen für eine Safari ausgegeben ohne jemals einen dieser scheuen Fungi zu gesicht zu bekommen. Und wir sahen gleich mehrere! Vor lauter Aufregung habe ich es sogar verpasst ein Foto zu machen.

Scheee wars!

Kurz darauf war die Tour zu ende und unser Fahrer entschuldigte sich für „no elephants“.

Zum Ausgleich stellte er uns noch zwei gefangene Elfanten vor, die ihr tristes Leben angekettet und als Touristenattraktion neben der Straße verbringen müssen, wo doch direkt nebenan 200 ihrer wilden, freien Artgenossen leben. Als mir der junge Elefantenbulle liebevoll mit dem Rüssel die Hand tätschelte tat er mir unendlich Leid.

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