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Update: Raphi hat ein Hotel gefunden und ist in Sicherheit. Hoffentlich hat ihr Taxifahrer morgen ein besseres Zeitgefühl.

Eine echte Schwizerin in Rishikesh

Oh Nein! Raphi hat ihren Flug nach Thiruvananthapuram verpasst. Ja, die Stadt gibt es wirklich. Der Westler nennt sie auch Trivandrum, weil’s einfach leichter auszusprechen und zu merken ist.

Ihr Taxifahrer hatte wohl eine eher legere Beziehung zum Thema Pünktlichkeit und so gelang es ihm nicht die arme Raphi pünktlich abzuliefern…

Jetzt steht das arme Schweizermädel in Delhi am Flughafen und kommt nicht weg. Zwar darf sie ihren Flug morgen zur gleichen Zeit antreten, aber das hilft ihr heute auch nur wenig.

Sie braucht eine Unterkunft und bestimmt auch eine Stärkung. Wir werden versuchen sie mit Nitins Hilfe zu unterstützen und irgendwo sicher unterzubringen. Flo hat ihr zwar schon unser Pfefferspray geschenkt, aber man weiß ja nie…

Wir drücken unsere fünf Daumen und… Was? Fünf? Pah! Schon wieder ein Taschendieb in meiner Hosentasche!

Neinnein, nur Spaß. Alles in Ordnung. Allerdings drücken wir tatsächlich ganz fest die Daumen, dass bei Raphi alles glatt geht!

Raphi, sei tapfer!

Raphaela und ich im Räucherjeep

Raphi, die mutige Schweizerin hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich eine Schlüsselszene, ja wenn nicht sogar den tragischen Höhepunkt unserer Safari durch die Nordindische Pilzwelt vergessen habe.

Wie gerade mir ein solcher Fauxpas unterlaufen konnte, dafür habe ich keine Erklärung. Es tut mirsehr Leid liebste Raphi.

Angefangen hat es mit einem gummiartigen Geruch. Wir waren gerade mitten im Dschungel und gerade dort passt der Gestank von verschmortem Gummi einfach nicht hin.

Als ich an mir hinunter sah, bemerkte ich dichten Qualm der zwischen meinen Beinen aufstieg.

Eh die Frage gestellt wird: Ich hatte am selben Morgen geduscht :)

Vielmehr waberte der Qualm aus dem Handschuhfach. Ich sagte irgendetwas Fachmännisches wie: „ist hat normal?“

Der Fahrer stoppte den Jeep und fingerte am Handschuhfach herum. Nachdem er den Motor ausgeschaltet hatte hörte auch der Qualm fast sofort auf.

Ein weiterer Blick ins besagte Handschuhfach und unser Fahrer sagte nur „its ok“ und startete den Motor erneut.

Nach wenigen Metern kam der Qualm erneut. Ich wies erneut darauf hin und erneut wurde der

Ja wo brennts denn?

Wagen gestoppt. Doch diesmal stieg ich aus und der Fahrer konnte nun eingehender nach der Ursache suchen.

Er rupfte einige Kabel heraus und meinte dann wider „Now its ok“.

Und tatsächlich. Der Qualm kam nicht wieder.

Allerdings schien auch sonst alles zu funktionieren. Das erhärtet meine Theorie, dass ein Mahindra Jeep im Ernstfall auch ganz ohne Kabel auskommt.

Blick auf den Ganges

Mit der Motorikscha, oder Tuktuk, wie man in Thailand sagt, ging es nach Rishikesh. Wir hatten so viele Empfehlungen gehört, dass wir unbedingt mal selbst vorbeischauen wollten.

Der erste Eindruck war ernüchternd. Eine dreckige, verkehrsverseuchte Stadt, wie es tausende in Indien gibt. Überall Gehupe, kaum Luft zu Atmen und Gestank. Am Gangesufer ließ uns der Fahrer aussteigen und wir überquerten den heiligsten aller Flüsse über eine schmale Fußgängerbrücke. Nun ja. Der Definition nach eine Fußgängerbrücke. In der Realität wird sie aber auch gern von Mofas und Motorräder genutzt, die einen jedes mal ans Geländer drücken um sich vorbeizuquetschen.

Endlich mal ein bisschen Platz

Als wir am anderen Gangesufer ankamen tat sich vor uns eine völlig andere Welt auf. Lärm und Gestank gab es auch hier, aber keine Autos. Doch da war auch etwas anderes. Eine Art Ruhe, die man sofort spüren konnte. Ich will nicht sagen, dass eine spirituelle Aura über der Gegend lag. Das wäre zuviel des Guten. Außerdem gab auch hier die Kommerzialisierung ihr Bestes, um dieses Gefühl zu vertreiben. Überall wurden CDs mit meditativer Musik und Lehrbücher verschiedener Gurus verkauft. Den Lieblingsgott als Anhänger, die passende Hippiekleidung? Kein Problem! Und überall diese Bettler… Sicherlich, alles arme, geschundene Gestalten, aber ihre Aufdringlichkeit fiel mir besonders an diesem friedlichen Ort besonders negativ auf.

Flo liess nicht mit sich handeln

Viele berühmte Beatlessongs sind hier entstanden. Es gibt ein Foto, auf dem John Lennon am Gangesufer das Sitaspielen übt. Ungefähr dort haben wir gesessen und uns mit einer Blumenverkäuferin rumgeärgert.

In einem kleinen Geschäft hat Raphi einen Schal gekauft. Ein Mitbringsel für ihre Omi. Vielleicht soll sie noch einen zweiten bekommen, aber wir verraten nix!

Einmal haben wir uns aber, auf der Suche nach einer Toilette, in den Innenhof eines Ashrams verirrt.

Hier war die Stimmung wirklich atemberaubend. Schweigende Menschen, friedlich und freundlich schauend. Überall das Grün von Pflanzen und tänzelnde Sonnenstrahlen auf dem warmen Steinboden. Am Eingang bat ein Schild, nicht zu fotografieren.

Ich habe mich dran gehalten aber leicht ist es mir nicht gefallen.

Der Ambassador - Ein Traum in weiss

Der zweite und letzte Tag in Haridwar begann mit dem Fußweg zu Raphis Hotel. Dort durften wir unsere Rucksäcke deponieren bis wir spät nachts um 00:40 mit dem Zug nach Delhi abreisen würden. Tausend Dank nochmals!

Weiter ging es im Ambassador. DEM indischen Auto schlechthin. Glanz und Gloria der britischen Kolonialmacht in einem weißen, verrostenden Blechkleid. Herrlich! Seit unserer Ankunft hatten wir davon geträumt einmal so nostalgisch durch die Pampa zu düsen.

Für 410 Rupies wurde unser Traum wahr und brachte uns direkt zum Rajaji Nationalpark.

Für weitere 3100 Rupies bekamen wir einen Führer, einen Jeep und die Erlaubnis ihn zu betreten. Teurer Spaß, aber im Park leben 200 wilde Elefanten. Noch nie hatten wir so viele auf einem Haufen gesehen und auch an diesem Tag würde es nicht dazu kommen.

Gleich fünf Minuten nach der Einfahrt in den Park sah ich jedoch einen wilden Leoparden. Er tat das, was Katzen jeder Art am besten können: Er gab Fersengeld und war nach einer Sekunde schon im dichten Unterholz verschwunden. Praktischerweise war ich der einzige, der ihn gesehen hat und werde wohl auch weiterhin der einzige sein, der es mir glaubt. Allerdings bin ich mir zu 100% sicher. Wer eine Katze hat, der weiß wie Katzen aussehen, wenn sie stiften gehen. Und genau so sah nun mal das flüchtende Tierchen aus. Nicht wie ein Fuchs, nicht wie ein Bär und auch nicht wie ein Baumpilz. Zu letzterem komme ich später noch einmal zurück.

Sieht's nicht aus wie in Afrika?

Los ging es also. Die Laune war gut, die ersten Sonnenstrahlen sprenkelten unsere neugierigen Gesichter und wir waren einfach so bereit wie man es nur seien kann. Bereit, die Elefantenherde zu sehen. Es blieb leider bei unserer grenzenlosen Bereitschaft. Kein einziger Dickhäuter zeigte sich. Nur die Elefantenhäufchen und diverse verwüstete Bäume und Büsche zeugten ihrer Gegenwart. Stattdessen sahen wir viel Wild. Wahrscheinlich irgendeine besondere indische Art, aber für uns sahen sie eben einfach aus wie die Rehe die abends neben der Straße äsen. Die Aufregung hielt sich also in Grenzen. Unser Führer wurde dennoch nicht müde, auf sie hinzuweisen. Kurz vor Ende unserer Safari hatte er wohl doch das Gefühl, uns irgendetwas bieten zu müssen. Irgendwas exotisches, spannendes, vielleicht sogar beängstigend wirkendes für uns Stadtmenschen. Schon bald hatte er es entdeckt. Er nahm den Fuß vom Gas und rollte im Leerlauf weiter. Wir bemerkten seine Anspannung und trauten uns nichtmal mehr zu atmen. Er stoppte den Motor. Leise rollten die schweren Stollenreifen im Sand aus. Der Wagen stand. Wir blickten uns um, konnten aber nichts entdecken. Vielleicht wieder ein Leopard? Ich sah den Triumph, zum greifen nah!

Dann sagte der Fahrer mit bedeutungsschwerer Stimme: „there! Treefungus!“ und er deutete auf einen alten Holzstamm auf dem einige Baumpilze wuchsen.

Wir konnten unser Glück kaum fassen. Wie viele Touristen haben tausende Euro, Dollar und Yen für eine Safari ausgegeben ohne jemals einen dieser scheuen Fungi zu gesicht zu bekommen. Und wir sahen gleich mehrere! Vor lauter Aufregung habe ich es sogar verpasst ein Foto zu machen.

Scheee wars!

Kurz darauf war die Tour zu ende und unser Fahrer entschuldigte sich für „no elephants“.

Zum Ausgleich stellte er uns noch zwei gefangene Elfanten vor, die ihr tristes Leben angekettet und als Touristenattraktion neben der Straße verbringen müssen, wo doch direkt nebenan 200 ihrer wilden, freien Artgenossen leben. Als mir der junge Elefantenbulle liebevoll mit dem Rüssel die Hand tätschelte tat er mir unendlich Leid.

Naga Baba, nichts als Asche am Leib

Unser Hotel in Haridwar war eine Bruchbude. Aus dem Klo floss mehr Wasser hinaus als man beim Spülen hineinschüttete. Da wir kein Fenster hatten, herrschte meist ein Klima wie im Regenwald. Nur eben ohne farbenprächtige Orchideen und exotische Tiere. Obwohl…exotische Insekten habe ich unter den Betten verschwinden sehen, als ich nachts kurz das Licht anschaltete.

Sofort nach dem Einchecken hatten wir versucht ein anderes Zimmer zu bekommen, aber zur Kumbh Mela war unser Hotel ausgebucht. Wir haben sogar versucht ein besseres Zimmer in einem anderen Hotel zu finden. Nachdem wir ca. 10 Hotels durchgearbeitet hatten, gefiel uns unser altes Zimmer aber dann irgendwie doch ganz gut. Man glaubt einfach nicht, was man alles noch als Zimmer anbieten kann.

Man muß auch bemerken, dass unsere Ansprüche eigentlich nicht sonderlich hoch sind. Den Traum von sauberen Laken und Insektenfreuen Zimmern haben wir schon lange aufgegeben und schlafen daher meist in unseren Schlafsäcken. Unserer kleinen hygienischen Schutzzone. Auch haben wir erkannt, dass wenn wir eine saubere Toilette wollen, ein gewisses Maß an Eigeninitiative und eine größere Menge an Desinfektionstüchern der einzige Weg zum Ziel sind.

Enge ist nur ein Wort...

Wir waren ja aber auch nicht zum Schlafen in Haridwar, sondern zur Kumbh. Fleißige Leser können mit dem Namen bereits etwas anfangen, Neulingen sei nur gesagt, dass es sich hier um das größte Fest der Welt handelt. Es findet nur alle 12 Jahre in Haridwar statt und zieht dann deutlich über zehn Millionen Menschen an. Die Loveparade ist da eher ein kleiner Umzug. Technofans werden allerdings in Haridwar nicht auf ihre Kosten kommen, denn hier dreht sich alles um Glauben. Vornehmlich den hinduistischen.

Die Saddhus, die heiligen Männer, pilgern dann zu tausenden nach Haridwar um zu den wichtigen Badeterminen ein Bad im heiligen Ganges zu nehmen. Im Gegensatz zu Varanasi ist ein Bad in Haridwar auch aus mikrobiologischer Sicht, zumindest noch möglich. An Haridwar selbst ist nicht besonders viel Aufregendes. Auf dem Berg gibt es einen Tempel in SED Architektur. Im Tal den Ganges. Drum herum wohnen einige Hunderttausend Menschen (grobe Schätzung).

Am Morgen des 12. Februars haben wir uns also früh zum Frühstück begeben, um ja nichts vom Tag zu verpassen. Dort haben wir auch Raphaela kennen gelernt, die uns dreisterweise einfach angesprochen hat. Und das, obwohl seit meiner letzten Rasur schon wieder einige Tage vergangen waren und wir sicherlich beide sehr sehr bedrohlich aussahen. Raphaela ist eine 22 Jährige Schweizerin aus der Nähe von Bern und sie wurde für die nächsten Beiden Tage unsere unerschrockene, geliebte und vor allem treue Begleiterin. Auch an dieser Stelle möchte ich nochmals meinen größten Respekt bekunden, dafür dass sie Indien ganz allein erkundet!

Mit ihm sang ich Hare Krishna

Zu dritt traten wir dann also auf die Straße und waren sogleich mitten im Getümmel. Eine Art Festzug mit den wichtigsten Gurus auf ihren Festwagen, zu Fuß, überall um sie herum, ihre treuen Anhänger. Angeführt wurde der Aufmarsch von den Nagababa. Asketen, die keine Kleidung tragen, sondern ihren Laib nur mit Asche bedecken. Unmengen an Polizei und Militär versuchten der Sache Herr zu bleiben und zogen Seile, die den Festzug von den Zuschauern abgrenzen sollte. In der Praxis klappte es allerdings nicht sonderlich gut. Nach dem Festzug zog es uns an den Ganges um den Saddhus beim baden zuzuschauen. Doch auch hier war überall Polizei, die auf recht drastische Weise den Pilgerverkehr regelte.

Ganze Straßen wurden gesperrt und wir konnten den Ganges nur durch das Gewirr kleinerer Gässchen, fernab der Straßen erreichen. Das bunte Treiben an den Ghats war dennoch sehenswert und auch das Gefühl für die Masse an Menschen ist unbeschreiblich. So standen wir im dichten Gewusel der Saddhus, der Pilger, der normalen Gläubigen und der Taschendiebe. Der Taschendiebe? Ja genau, ich stand so da wie immer. Heroisch, stark, einfach toll anzusehen. Völlig relaxt beobachtete ich das Treiben, alle drei Hände in den Hosentaschen.

Alle drei? Ja, ganz offensichtlich stimmte an der ganzen Situation irgendetwas nicht. Ich blickte am Arm der dritten Hand nach oben und lernte so den Besitzer meiner neuen Hosentaschenmitbewohnerin kennen. Ein junger Inder im Trainingsanzug der scheinbar einen halbwegs guten Charakter hat, sonst wäre er ein besserer Taschendieb. Als er seinen Fehler bemerkte verschwand er schnell im Gewusel und ward nicht mehr gesehen. Irgendwie konnte ich ihm nicht mal böse sein. Dank ihm waren allerdings unsere Sinne für das Verbrechen geschärft und so konnte ein zweiter plumper Versuch Flos Rucksack zu öffnen ebenfalls vereitelt werden. Wir schlichen anschließend noch eine Weile durch die Badenden, bis wir uns schließlich dazu entschlossen, den Tempel auf dem Berg zu besichtigen.

Gebadet wurde viel und grundlich

Vor allem trieb uns die Polizei aus der Stadt. Gegen die Taschendiebe unternahm sie offensichtlich wenig, aber der normale Bürger wurde extrem eingeschränkt. Nahezu alle Brücken über den Ganges waren abgesperrt und wurden nur alle paar Stunden mal kurz geöffnet. Eine einzige offene Brücke bleib uns, um zurück auf die andere Gangesseite zu gelangen. Entsprechend kuschelig ging es auf ihr zu. Blieb jemand stehen, oder bewegte sich nicht zügig genug im Fluss der Leiber, wurde er mit einem kleinen Klaps mit dem Polizei-Monkeystick zu mehr Eile und Konformität angespornt. Nach einigen weiteren Schleichwegen und einem halbwegs steilen Aufstieg gelangten wir dann schließlich zum Tempel auf dem Berg.

Hässlich war er. Soviel kann ich sagen, denn hinein sind wir nicht gegangen. Wir haben nur kurz den Ausblick genossen, Raphi hat sich kein Fläschchen Wasser für 50 Rupies gekauft und wir sind einfach wieder hinabgestiegen. Vorbei an einem toten Hund, der direkt neben dem Weg lag. Außer uns bemerkte ihn niemand.

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