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Flo und Samantha vor dem Hubschräuberle

Es ist Donnerstag der 18. Februar, 14:02. Samantha, Flo und ich, wir sitzen im Flughafenrestaurant von Bagdogra. Im Gegensatz zu Varanasi kann dieses Restaurant auch tatsächlich mit essbaren Dingen dienen.
Die Cola schmeckt auch ganz gut. Alles also ganz normal.
Weniger normal, zumindest für uns, war die Anreise im Helikopter. Dekadent wie wir sind, haben wir uns einfach einfliegen lassen.
Leider waren nur 10kg Gepäck pro Person erlaubt, so mussten wir die Dekadenz noch ein Stückchen weitertreiben und haben ein Taxi nur mit unserem Gepäck ins Tal geschickt.
Ob sich das Ganze gelohnt hat? Ich weiß nicht. Es war schon toll und ich würde es wohl wieder machen, allerdings wäre ich auch mit der Autofahrt glücklich gewesen.
Aber was soll ich sagen? Man hat nicht oft die Gelegenheit mit dem Hubschrauber durch den Himalaja zu düsen.
Fünfunddreißig Minuten hat der Spaß gedauert und hat insgesamt (Tickets für uns beide, Taxi zum Helipad und Taxi fürs Gepäck) rund 6000 Rupies gekostet. Das sind ca. 100€.
Was hätte der Spaß wohl in Deutschland gekostet? Allein das Taxi, welches vier Stunden unser Gepäck durch die Gegend gefahren hat wäre deutlich teurer gewesen!

Ausblick kurz vor der Landung

Der Flug war auch insgesamt sehr gemütlich. Wir hatten drei Asiatinnen als Mitpassagiere in der Kabine. Dem Aussehen nach kam die eine aus Japan, die andere aus Thailand und die dritte kam definitiv aus Taiwan, wohnt jetzt aber in LA. Letztere ist eben diese Samantha mit der wir jetzt gemeinsam auf Plastikstühlen an Plastiktischen mit Plastikdecken sitzen und auf unsere Flüge warten.
Wie wir, fliegt auch Samantha nach Delhi. Allerdings fliegt sie mit Kingfisher um 15:30 und wir mit Spicejet um 16:00.
Sie war fünf Monate in Dharamsala und hat dort tibetisch gelernt. Jetzt will sie für eine weitere Lektion dorthin zurück um dann nach einem Monat wieder in die USA zu fliegen.
In der Zwischenzeit hält sie sich mit allerlei probiotischen Nahrungsergänzungsmitteln fit.
Wir drei sitzen jetzt also noch knapp ein Stündchen hier fest. Dann geht es weiter dem Ende entgegen.
Schon am 20.02 geht unser Flug zurück nach Deutschland. Langsam kommt auch ein bisschen Wehmut auf, aber zu Hause ist es ja doch am schönsten!
Drückt uns die Daumen für den Flug und ich werde versuchen heut noch einen Text über unseren Ausflug zum Tsomgo-Lake zu verfassen.

Indische Offroadmesse?

Es läuft folgendermaßen: Man läuft die Mall hinab zur Clubside, direkt im Herzen Darjeelings. Man könnte auch noch weiter hinabsteigen zum Chowk Bazar, das würde allerdings wenig ändern und man müsste viele Treppen und enge Gassen in Kauf nehmen.

Wir standen also um 04:30 morgens an der Clubside und suchten uns einen Jeep aus.

Natürlich ist das blanke Ironie! In Indien sucht selten der Fahrgast den Fahrer aus. Vielmehr wird man wie Vieh zwischen den einzelnen Fahrern hin und her getauscht bis man seinen Platz gefunden hat.

In unserem Fall bedeuteten das ein weinroter Mahindra-Geländewagen in gutem Zustand und ein Fahrer, der zumindest einfache englische Sätze sprechen konnte. Mehr konnte man wirklich kaum erhoffen.

Wie viele Passagiere würden in Deutschland wohl in diesem Jeep Platz nehmen? Fünf? Sechs?

Der Kanchenjunga in der aufgehenden Sonne

Sieben? – Wohl nicht.

In Darjeeling nahmen incl. Fahrer 10 Personen im Fahrzeug Platz. Das war auch nur aus einem einzigen Grund möglich: Wir waren allesamt Westler – und reich!

Normalerweise wird ein solcher Jeep mit vielleicht 14-15 Personen besetzt. Aufeinander, nebeneinander und irgendwie anders.

Soweit zum Innenraum. Auf das Dach passen noch mal vier oder fünf. Wenn kleine Kinder dabei sind vielleicht auch acht. Einer kann auf dem Reserverad stehen und wäre es ein Notfall, es fände sich bestimmt noch ein Plätzchen.

Ich beschreibe hier keinen Rekordversuch, sondern den Alltag im Himalaja Nahverkehr! Wir konnten das Schauspiel mehr als einmal beobachten.

Das Nebelmeer läuft über...

Zurück zum Thema! Wir wurden also eingepackt. Ich saß vorn neben dem Fahrer und einem anderen Touristen. Flo war irgendwo hinten eingepfercht. So ging die Fahrt also los, zum legendären Tigerhill, einer Anhöhe nahe Darjeeling, von der aus man einen atemberaubenden Blick auf den Kanchenjunga (8586m) hat. Der Sonnenaufgang potenziert das Erlebnis noch einmal.

Kurz vor erreichen gilt es eine Eintrittskarte zu kaufen. Es gibt Standard für 20 Rupies, Deluxe für 30 Rupies und Superdeluxe Lounge für 40 Rupies. Wir als preisbewusste und sparsame Traveller lösten also unsere Tickets und stiegen, 80 Rupies ärmer, wieder in den Wagen.

Inzwischen war uns aufgefallen, dass wohl noch einige andere Touristen auf die Idee mit dem Sonneaufgang gekommen waren.

Schließlich sah der Platz um den Aussichtspunkt aus wie die Offroadhalle auf der IAA.

Wir bestiegen also den Turm und betraten unsere Super-deluxe-Lounge. Insgesamt sah sie aber eher aus wie ein Lagerraum mit Sperrmüll. Noch dazu war der Anblick durch schmuddelige Fenster versperrt.

Also wieder runter und raus ins Freie. Die lange Unterhose und die Jacke taten ihre Arbeit. Die Handschuhe, die Mütze und der Schal waren allerdings noch in Wildungen und so stand mir ein kaltes Stündchen bevor.

Flo war besser vorbereitet, fror aber trotzdem.

Super-Deluxe-Lounge!

Schließlich ging die Sonne auf, der Anblick war toll. Ich habe den Berg fotografiert, dann die Sonne und schließlich noch mal den Berg. Meines Atems fühlte ich mich allerdings zu keinem Zeitpunkt beraubt.

Klar war es schon ein schöner Anblick. Der majestätische Kanchenjunga, die ersten Sonnenstrahlen und ganz links, ganz klein, viel zu klein für die Ehrfurcht, die sein Name einflösst, lugte auch der Mount Everest über die kleineren Gipfel. Er war halt arg weit entfernt, aber gesehen haben wir ihn!

Um 06:30 hieß es dann wieder zurück zu den Autos und Abfahrt. In Ghoom wurde nochmal kurz an einem Kloster halt gemacht. Wir waren allerdings sakral gesättigt und tranken lieber an der Straße einen Chai. Auf einer schmuddeligen Wolldecke bot eine alte, krumme Oma drei-vier Mützen und zwei Schals zum Verkauf an.  Flo der Gutmensch lud sie auch gleich noch auf eine Tasse heißen Chai ein.

Ich fand die Aktion erst albern, aber für den dankbaren Blick, den sie ihm, den heißen Tee schlürfend, zuwarf, beneide ich ihn immer noch.

Unser Luxushotel "Cityview"

Wir werden unseren Aufenthalt in Shimla wohl noch ein paar Tage verlängern. Zulastenvon Dharamsala und Delhi.

Allerdings gefällt es uns hier so gut, dass wir einfach noch nicht wegwollen.

Die englische Atmosphäre, die netten Leute und vor allem unser Freund Nitin sind gewichtige Argumente zu bleiben.

Heute haben wir ihn und seinen Fahrer in die Berge der Umgebung begleitet. Er baut gerade ein Haus und musste einem Arbeiter Geld bringen, damit Steine gekauft werden können. Paypal-Accounts sind hier oben wohl noch nicht in alle Bevölkerungsschichten durchgedrungen.

Das Autofahren hier oben ist deutlich entspannter als in der Ganges oder Yamuna Tiefebene. Weniger Verkehr, weniger Hupen. Dafür allerdings Abgründe. Gähnende Abgründe direkt neben der Tür. Schwindelfrei sollte man hier oben aber so oder so sein. Mein lieber Arbeitskollege Michel hätte hier keinen Spaß J (Wir möchten die Gelegenheit nutzen und unsere heiß geliebten Arbeitskollegen des DRK Bad Wildungen grüßen!)

Ansonsten wird es hier jeden Tag kälter und wir hoffen, dass es Mitte der Woche etwas mehr aufklart um ein paar Fotos vom Himalaja Massiv zu ergattern.

Ein guter Punkt dafür wäre der Hanumantempel (Hanuman ist ein bedeutender Gott der Hindus. Er erscheint als Affe) auf dem Jaccohill (2480m). Gefährlich ist da allerdings nicht die Höhe, sondern die Affen. Wir haben bereits einige Diskussionen mit ihnen gehabt und festgestellt, dass mit den Kollegen nicht zu spaßen ist.

Wir geben alles für Fotos

Umso mehr muss man das Angebot des Tempels würdigen, welcher für nur 5 Rupies Monkeysticks vermietet. Diese sollen äußerst Tauglich sein, um Affen fern zu halten.

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